Donnerstag, 28. Juni 2018

"Stimmungen":

Felix Krueger, Gefühlsartiges im tierischen Verhalten, 1937:

>Sogar ... Physiologen verwenden ... den Begriff einer allgemeinen "Gestimmtheit", um das Gesamtverhalten von Organismen begreiflich zu machen; er ergänzt wesentlich das vielerlei Wissen von den Einzelgeschehnissen und ihren Sonderwirkungen. Neuerdings wird es zur Regel, dass exakte Forscher den Tieren "Stimmungen", z.B. der Flucht, der Abwehr oder des Angriffs zuschreiben. Die Vögel zeigen physiologisch Verwandtes bei der Begattung; besonders die Vorbereitungen dazu sind meist artgemäß mit einem erregenden "Zeremoniell" umkleidet und durchsetzt. Andere bedeutsame Situationen werden eingeleitet und getragen von einer Bade-, Fress- oder Spielstimmung, von einer Gestimmtheit zum Abfliegen, zum Wandern oder Heimkehren. In der Regel ist in alledem das Gruppendasein der Tiere, überhaupt ihr sozialer Zusammenhalt beteiligt. Sie regen sich zu einem gemeinsamen Tun oder Lassen gegenseitig an. Hierüber hinaus ermöglicht eine solche Stimmung jedem einzelnen oder erleichtert ihm doch das "Inzugekommen" und, dass es längere Zeit "bei der Stange bleibt".

Das Gemeinschaftsleben jeder Stufe, auch das menschliche, ist offenbar reich ausgestattet mit vergleichbaren Bändern und Steuerungen. Nur die Physiologie sowie die Psychologie der Laboratorien vermelden noch wenig davon.<

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Die Wirkung von Kulturwerken lässt sich ähnlich interpretieren. Sie bringen, unbeabsichtigt, den Menschen "in Stimmung", sich in einer bestimmten Weise zu verhalten.

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