In der Gegenwart von manchen Personen hat man sich geradezu zu entschuldigen, glücklich zu sein. Ich weiß nicht genau warum.
(Es gibt tatsächlich soziale Konstellationen, in denen offenes Glück fast wie eine kleine Provokation wirkt. Nicht unbedingt, weil die andere Person einem das Glück bewusst missgönnt, sondern weil es etwas in ihr berührt: einen Mangel, eine Enttäuschung, ein ungelöstes Problem oder schlicht den Vergleich mit dem eigenen Leben.
Dann beginnt man sich unwillkürlich zurückzunehmen. Man erzählt weniger begeistert, relativiert ...
Interessant ist der Ausdruck „hat man sich geradezu zu entschuldigen“. Denn das beschreibt weniger eine explizite Forderung der anderen Person als eine Atmosphäre. Man spürt: Hier darf ich mit meiner Freude nicht zu viel Raum einnehmen. Vielleicht weil das Glück ein asymmetrisches Verhältnis sichtbar macht. Wer gerade sehr zufrieden ist, erinnert den anderen möglicherweise daran, was ihm selbst fehlt.
Das Gegenteil gibt es übrigens genauso: Menschen, bei denen man glücklicher wird, indem man ihnen vom eigenen Glück erzählt. Sie werden neugierig, freuen sich mit, machen die Freude größer statt kleiner. Das ist vermutlich eine ziemlich wichtige Qualität einer Freundschaft oder Beziehung.
Zunächst ist da einfach diese merkwürdige soziale Erfahrung: Bei manchen Menschen möchte man sein Glück beinahe verstecken.)
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