Dienstag, 15. September 2026

Selbstbewusstsein im Sinne einer Wahrnehmung von und einer Erinnerung an die eigene Handlungsfähigkeit:

"Selbstbewusstsein entspringt zu einem erheblichen Teil dem Wissen um die eigene Handlungsfähigkeit. Somit der Erfahrung: Ich kann in Situationen eintreten, Entscheidungen treffen, etwas riskieren, mit den Folgen umgehen und danach weiterhandeln.

Deshalb wächst Selbstbewusstsein durch Selbstwirksamkeitserfahrungen. Man nimmt sich etwas vor und tut es.

Das Interessante daran ist, dass Erfolg dabei gar nicht immer entscheidend ist. Man kann handeln und trotzdem verlieren, eine Aufgabe bearbeiten und zunächst scheitern. Wenn dabei die Erfahrung erwächst, dass auch mit einem ungünstigen Ausgang umgegangen werden kann, entsteht eine robustere Form von Selbstbewusstsein. Dann lautet die innere Überzeugung nicht: Ich werde gewinnen, sondern: „Was auch immer da passiert, werde ich mit dem Ergebnis etwas anfangen können.“

Damit hängt auch zusammen, warum freiwillig eingegangene Risiken so stark auf das Selbstbewusstsein wirken können. Jedes vernünftige Risiko enthält zunächst Unsicherheit. Indem man trotzdem handelt, sammelt man Belege über sich selbst. Nicht nur: Die Sache ist gut gegangen, sondern: Ich war jemand, der gehandelt hat. Nach genügend solchen Erfahrungen verändert sich das Selbstbild.

Man könnte deshalb sogar unterscheiden zwischen Selbstwert und Selbstvertrauen. Selbstwert betrifft stärker die Frage, ob man sich unabhängig von Leistung grundsätzlich als wertvoll erlebt. Selbstvertrauen betrifft stärker die Erwartung: Ich kann etwas bewirken. Dabei spielt auch die Erinnerung an das eigene Handeln eine Rolle. Man trägt mit der Zeit eine Art inneres Archiv mit sich herum: Diese schwierige Situation habe ich bewältigt. Dort habe ich mich getraut. Dieses Problem habe ich gelöst. Dort habe ich Nein gesagt. Hier bin ich nach einem Rückschlag wieder aufgestanden. Aus der Summe dieser Erfahrungen entsteht etwas, das sich irgendwann gar nicht mehr wie eine Behauptung anfühlt. Man weiß einfach, dass man handeln kann.

Wirkliches Selbstbewusstsein ist weniger eine Stimmung als eine Art Wissen über sich selbst. Stimmungen schwanken. An einem schlechten Tag kann man unsicher, müde oder angespannt sein und trotzdem wissen: Wenn es darauf ankommt, kann ich handeln.

Der Gedanke lässt sich folgendermaßen verdichten:

Selbstbewusstsein entspringt dem Wissen um die eigene Handlungsfähigkeit – und dieses Wissen entsteht aus wiederholter Erfahrung des eigenen Handelns.

Oder noch knapper:

Selbstbewusstsein wächst aus erfahrener Handlungsfähigkeit.

Das erklärt auch, weshalb ein Leben mit tatsächlichem Handeln, Entscheidungen und vernünftigen Risiken mehr Selbstbewusstsein erzeugt als ein bloßes Nachdenken darüber, wie sich Selbstbewusstsein denn steigern ließe."

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