"Relativ direkt und ungefiltert sind oft Menschen, die wenig Angst vor sozialer Missbilligung haben. Sie sagen eher, was sie denken, weil sie nicht jede Aussage vorher danach prüfen, wie sie beim Gegenüber ankommt. Das kann mit Selbstsicherheit zusammenhängen, aber auch mit Temperament: Manche Menschen haben einfach eine geringe innere Hemmschwelle zwischen Wahrnehmung, Urteil und Äußerung.
Direkt wirken außerdem häufig Menschen, die viel soziale Erfahrung haben. Wer oft mit sehr unterschiedlichen Personen spricht, Konflikte erlebt hat und gelernt hat, dass Beziehungen nicht sofort zerbrechen, nur weil man etwas Klareres sagt, wird oft weniger vorsichtig. Interessanterweise kann sehr viel soziale Erfahrung also gerade zu weniger Filterung führen.
Eine weitere Gruppe sind Menschen mit hoher Autonomie. Sie brauchen Zustimmung nicht besonders stark, haben eigene Standards und sind bereit, dass andere sie gelegentlich falsch verstehen oder nicht mögen. Bei ihnen klingt Direktheit oft ruhig: nicht aggressiv, sondern eher „So sehe ich es.“ Das ist etwas anderes als Impulsivität.
Dann gibt es aber auch ungefilterte Menschen, die nicht besonders selbstsicher, sondern schlicht impulsiv oder wenig selbstreguliert sind. Sie sprechen aus, was ihnen gerade in den Kopf kommt, ohne viel Rücksicht auf Timing, Kontext oder Wirkung. Von außen können diese beiden Typen ähnlich aussehen, psychologisch sind sie fast Gegensätze: Der eine ist direkt, weil er stabil ist; der andere, weil er schlecht bremst.
Und schließlich hängt Direktheit stark von Milieu und Kultur ab. In manchen Berufsgruppen, Freundeskreisen oder Familien ist eine sehr klare Sprache normal, in anderen gilt schon eine kleine Meinungsverschiedenheit als hart. Deshalb ist „ungefiltert“ immer auch relativ zum sozialen Umfeld."
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