My Science - Blog / Mein Naturwissenschaftsblog
A Non-Fiction Blog. Ein Sachblog. A collection of some bits of information extracted from the scientific and from the non-fiction literature. (Until June 2025 there were also some poems and aphorisms posted on this blog.) Sachthemen und Sachtexte. (Bis Ende Juni 2025 wurden hier auch regelmäßig Gedichte und Aphorismen zu beliebigen Themen veröffentlicht.)
Sonntag, 3. Mai 2026
Polarität:
Das Entscheidende: Polarität ist nicht Konflikt. Sie ist strukturelle Verschiedenheit mit gegenseitiger Anziehung.
Zwei Menschen sind polar, wenn sie nicht dasselbe sind — wenn der eine etwas verkörpert, das dem anderen fehlt oder das in ihm schläft. Das erzeugt ein Feld zwischen ihnen. Eine Art Ladung.
Polarität kann auf verschiedenen Ebenen entstehen:
- Energetisch: einer ist ruhend, der andere bewegt — einer zieht an, der andere hält stand
- Charakterlich: einer ist impulsiv, der andere abwägend — einer öffnet, der andere schließt
- Kognitiv: einer denkt in Bildern, der andere in Strukturen
- Emotional: einer trägt die Wärme, der andere die Klarheit
Die Polarität ist stark, wenn diese Verschiedenheit echt ist — nicht gespielt, nicht strategisch, sondern Ausdruck davon, wer die Person wirklich ist.
Warum zieht das an?
Weil jeder Mensch eine innere Ganzheit sucht. Der andere repräsentiert einen Teil davon, den man selbst nicht (oder kaum) bewohnt. Man wird nicht angezogen, weil der andere besser ist — sondern weil er anders ist, auf eine Weise, die etwas im einem selbst in Bewegung bringt.
Was Polarität auflöst:
- Angleichung — wenn beide zu ähnlich werden
- Verachtung — wenn die Verschiedenheit nicht mehr respektiert wird
- Ungreifbarkeit — wenn einer von beiden „weder Fisch noch Fleisch" ist, gibt es keinen Pol, an dem sich der andere reiben oder orientieren kann"
Jasagen:
Zwischenmenschliche Spannung:
"Was Spannung erzeugt:
- Bedrohung des Selbstbildes — die andere Meinung impliziert, dass man selbst falsch liegt, naiv ist, sich geirrt hat
- Statusdynamik — wer gibt nach? Wer hat Recht? Wer dominiert das Gespräch?
- Unausgesprochenes — die eigentliche Differenz liegt oft nicht in der Meinung selbst, sondern in dem, was sie über die Beziehung aussagt
- Wiederholung — ein Thema, das immer wieder auftaucht, lädt sich auf, unabhängig vom sachlichen Inhalt
- Asymmetrische Investition — einer meint es ernst, dem anderen ist es egal; das erzeugt mehr Reibung als echte Gegnerschaft
Die Polarität ist oft nur der sichtbare Teil.
Was wie ein Meinungsstreit aussieht, ist häufig ein Kampf um etwas anderes: Anerkennung, Kontrolle, das Bedürfnis, gesehen zu werden. Die inhaltliche Differenz ist dann nur der Austragungsort, nicht die eigentliche Ursache."
Weder Fisch noch Fleisch:
Gemeint ist damit:
Eine Person, die weder das eine noch das andere ist — die keine feste Position bezieht, keine erkennbare Persönlichkeit zeigt oder sich nicht klar zu einer Seite bekennt. Sie ist irgendwie dazwischen, unentschlossen, charakterlos im Sinne von: ohne ausgeprägte Eigenart.
Mögliche Konnotationen:
- Sozial/charakterlich: jemand, der es allen recht machen will, keine eigene Meinung hat, immer laviert
- Professionell/kategorial: ein Produkt, Konzept oder Projekt, das keiner klaren Gattung zugehört und dadurch verwirrend oder unbrauchbar wirkt
- Weltanschaulich: jemand, der sich nicht festlegt, keine Überzeugungen nach außen trägt
Herkunft:
Der Ursprung liegt vermutlich in mittelalterlichen Fastenregeln: An Fastentagen durfte man Fisch essen, nicht aber Fleisch. Wer sich also zwischen diesen Kategorien befand — weder Fisch (erlaubt) noch Fleisch (verboten/vollwertig) — war unklassifizierbar, gehörte nirgendwo dazu. Manche Versionen führen die Redewendung auch auf kirchliche Einordnungen zurück (Fisch = Kloster/Askese, Fleisch = weltliches Leben)."