In psychology laboratories, one may see rats, dogs and monkeys with
brain-embedded electrodes and a radio antenna on top of their heads through
which an experimenter can convey prescribed emotional states of mind. Some
hundreds of millions of citizens are, today, similarly screwed to T.V. sets,
similarly designed to generate a prescribed uniformity of mind and an abdication
of individual thinking. What this means for the processes of thought and
judgment on which the healthy functioning of societies has hitherto depended, no
one yet knows.
Raymond Cattell, Beyondism - A New Morality From Science, 1972
A Non-Fiction Blog. Ein Sachblog. A collection of some bits of information extracted from the scientific and from the non-fiction literature. (Until June 2025 there were also some poems and aphorisms posted on this blog.) Sachthemen und Sachtexte. (Bis Ende Juni 2025 wurden hier auch regelmäßig Gedichte und Aphorismen zu beliebigen Themen veröffentlicht.)
Donnerstag, 27. September 2012
Television: "the danger is not the behaviour it produces, but the behavior it prevents"
Any scientist or educator, concerned to get society to consider vital issues, or
any Humanist, concerned to get attention to good literature, has to admit that
the effect of the mass media has been to trivialize. It argues that it can
survive financially only by putting the sensational and the superficial rather
than fundamental and progressive issues before the public. The reading of great
books and the time normally available in other generations for individual
thought, reflection, and the formation of independent opinion have inevitably
suffered grievously with the crescendo of activity in the mass media. In
aspiring to a true democracy, one cannot take lightly what is now happening to
the mind of the average man. A survey shows that ninety-six percent of American
homes have one or more television sets, and that the home set is turned on more
than six hours a day (rather more than four hours for each occupant).
Bronfenbrenner rightly concludes "the danger is not the behavior it produces,
but the behavior it prevents."
Raymond Cattell, Beyondism - A New Morality From Science, 1972
Science, Art, Religion & Intuition:
The difference between science, on the one hand, and religion and the arts, on
the other, is obvious in general terms to everyone. Science applies empirical
search, as in experiment and discovery, along with explicit logical reasoning,
whereas leaders of religion have applied intuition, and have made claims also to
a direct, divine revelation. Incidentally, if we define intuition as reaching a
conclusion without specific awareness of (not without resort to),
all the logical steps and factual supports taken into the final judgment, then
both the bulk of everyday reasoning and some of the finest first steps in
science itself must also be recognized as the product of intuition. Here the
only difference of science and religion is that in the former the intuition is
subsequently checked by logic and experiment.
Raymond Cattell, Beyondism - A New Morality From Science, 1972
Mittwoch, 19. September 2012
Gedanken zum Fernsehen:
Jedes neu entwickelte Informations- und Unterhaltungsmedium nutzt verbesserte und umfassendere Möglichkeiten der Anregung, "Belohnung" und Bedürfnisbefriedigung. Die Reize werden immer komplexer und intensiver. Alle Unterhaltungsmedien wollen uns zum Konsum verführen. Und wenn sie gut gemacht sind, schaffen sie das auch. Je passiver der Mensch dabei ist, desto mehr drängt sich dem unvoreingenommenen Beobachter der Vergleich zur Zufuhr psychotroper Substanzen auf. Das Fernsehen wirkt unter dem Blickwinkel am deutlichsten wie eine Droge. So ist es nicht weiter erstaunlich, dass die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer des Fernsehens bei 210 Minuten liegt (Angabe aus dem Jahr 2005). Wenn jemand täglich 8 Stunden schläft und 10 Stunden inklusive Fahrt- und Pausenzeiten mit der Arbeit verbringt, dann widmet er mehr als die Hälfte seiner wachen, frei verfügbaren Zeit dem Fernsehen, wobei Zeiten für Einkaufen, Hygiene und Essen noch nicht einmal berücksichtigt sind! Das ist gesundheitlich bedenklich (Couch Potatoes), je nach Art des Programms vielleicht sogar verblödend, und es fördert soziale Isolierung. Aber mit der massenhaften "Sucht" scheinen wir uns abgefunden zu haben, da sie die berufliche und soziale Funktionstüchtigkeit der Menschen bisher nicht so sehr beeinträchtigt hat, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten von einigen Zukunftsdeutern befürchtet wurde.
Ralf Schneider, SF, 2011
"Vor lauter Lust verhungern":
Bei den Versuchen mit elektrischer Hirnreizung machte 1953 der amerikanische Hirnforscher James Olds eine Entdeckung von großer Bedeutung. Eine Ratte mit einer Elektrode in ihrem limbischen System mochte offenbar den elektrischen Reiz. Erst glaubte Olds, er habe sie neugierig gemacht. Dann bemerkte er, dass er durchaus mehr als Neugier hervorrief. Wenn man den Tieren die Gelegenheit gab, den Reiz durch einen Tastendruck selber auszulösen, sich also selber elektrisch zu stimulieren, so stimulierten sie sich unentwegt. Offenbar empfanden sie diese Reizung irgendwie als positiv, angenehm, sie verschaffte ihnen Lust, Freude, Vergnügen, Glück.
In der Folge wurde erkundet, in welchen Gehirnregionen sich diese positiven Gefühle auslösen ließen: Sie reichten von den vorderen Teilen des Cortex über das Limbische System bis hinab in den Hirnstamm. Nirgendwo aber trat sie so stark und rein auf wie im basalen Vorderhirnbündel, einem Nervenkabel, das aus dem Riechzentrum durch den Hypothalamus in den Hirnstamm zieht: In diesem Strang müssen die meisten Lustsysteme des Gehirns zusammenlaufen. Wie sich die künstlich hergestellte, reine Lust anfühlt, ist offenbar kaum zu beschreiben. Manche Patienten fühlten sich dem Orgasmus nahe. Die meisten "äußern sich vage und wirr hinsichtlich ihrer Erlebnisse und der Gründe, warum die Reize ihnen gefallen; aber sie lassen keinen Zweifel daran, dass sie sie wünschen" (Richard F. Thompson).
Die Entdeckung des Lust- oder "Belohnungssystems" (oder wohl eher mehrerer ineinander verschachtelter Belohnungssysteme) machte die bis dahin vorherrschenden Theorien über das Zustandekommen "motivierten" Verhaltens fragwürdig. Die eine war die mechanistische Theorie. Ihr zufolge gibt es keine allgemeine Motivation; jeder Reiz löse vielmehr eine ihm zugeordnete Reaktion aus. Die andere war die Triebreaktionstheorie. Ihr zufolge erzeugen die verschiedenen Triebe Spannungen, die das Lebewesen "motivieren", sie zu verringern- Tiere (und Menschen) handeln, um die als unangenehm erlebten Triebspannungen abzubauen.
Das aber stimmt wohl nicht oder nicht ganz: Sie handeln auch, wie sich zeigte, um sich die verschiedenen Lustempfindungen zu verschaffen. Eine eindrucksvolle Demonstration lieferten jene Tiere - von Ratten bis hin zum Rhesusaffen -, die sich selber aussuchen konnten, ob sie fressen oder ihre Lustregion stimulieren wollten. Ihr "Fresstieb" versagte - er trieb sie nicht. Eine denkbare Erklärung dafür ist, dass der Nahrungstrieb, der sich subjektiv als das Gefühl des Hungers bemerkbar macht, nicht oder nicht nur über eine direkte Reduzierung des Hungers befriedigt wird, sondern über das Erlebnis des Wohlgeschmacks. Die Natur muss ja nur bewirken, dass das Tier Nahrung zu sich nimmt. Wenn erfahrungsgemäß gutes, nämlich nahrhaftes und ungiftiges Essen, dessen erprobte Güte sich als Wohlgeschmack mitteilt, regelmäßig eine spezifische Lust auslöst, wird das Tier diese gute Nahrung suchen, das Tier wird zum Fressen motiviert, das lebensnotwendige Erlebnis tritt ein. Dass der Fresstrieb auf ein scheinbar nebensächliches Lusterlebnis angewiesen ist, funktioniert deshalb so zuverlässig, weil in der Natur die zuträgliche Nahrungsaufnahme regelmäßig vom Erlebnis des Wohlgeschmacks begleitet ist. Das Tier, das den Wohlgeschmack sucht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch etwas Bekömmliches zu essen bekommen, genau wie das Tier, das die Lust der Paarung sucht, in aller Wahrscheinlichkeit Nachkommen hervorbringen wird, auch wenn es nicht das geringste über die Zusammenhänge von Paarung und Fortpflanzung weiß. Das Tier, das die Lusttaste betätigte und darüber verhungerte, ist von dem Experiment düpiert worden: Es "weiß" (natürlich nicht bewusst, sondern angeborenermaßen), dass es gesätigt wird, wenn es sich die Lust des Wohlgeschmacks erzeugt, unter natürlichen Bedingungen trifft das auch zu; im Experiment erlebt es die Lust (wahrscheinlich ein ganzes Konglomerat von Lüsten und darunter auch die des Wohlgeschmacks), aber die sonst natürliche Folge der Sättigung bleibt aus.
Dieter E. Zimmer, Die Vernunft der Gefühle, 1981
Dienstag, 18. September 2012
Versüchtelung ganzer Gesellschaften?:
"In den letzten Jahren scheinen immer mehr Menschen alle möglichen Verhaltensweisen in einem solchen Extrem zu betreiben (von Extremspotarten wie Bungee-Springen und free-climbing über rauschhaftes Einkaufen bis hin zu süchtigem Arbeiten und Börsen-Zocken), dass man von einer zunehmenden "Versüchtelung" der Gesellschaft sprechen kann. Besonders die medialen Abhängigkeiten (TV, Computer, Internet, Handys) scheinen zuzunehmen."
... und an anderer Stelle:
"Die generelle Tendenz, mit sich, den anderen und der Welt süchtig umzugehen, verbreitet sich. Man kann von einer langsamen Versüchtelung immer größerer Teile der Bevölkerung ausgehen. Der süchtige Umgang wird mehr und mehr das Normale."
Werner Gross, Hinter jeder Sucht... & Sucht ohne Drogen, 2002 & 2003
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