Samstag, 10. August 2013

A Nutritional Basis for the Spread of Indo-European Languages - Henry Harpending, April 2012




Kommentare:

  1. Ich hab den Vortrag nur flüchtig durchgesehen. Bis zur 13. Minute wird im Wesentlichen der traditionelle Wissensstand referiert. Aber auch danach habe ich keine rechte Antwort auf die Frage gehört: WAREN die Indoeuropäer Erwachsenen-Rohmilchverdauer oder NICHT?

    Meines Kenntnisstandes nach (da gab es jüngst einen tollen Überblicksartikel in "Nature") waren die Bandkeramiker KEINE, OBWOHL sie intensiv Milchvieh hielten, ebensowenig die Ackerbauern auf dem Balkan und rund um das Mittelmeer (ab 6500 oder 6000 v. Ztr.). Mit diesen Kulturen kamen wohl auch die Ur-Indoeuropäer in Berührung, bzw. entwickelten sich in Auseinandersetzung mit diesen.

    Es ist also nach neuestem, ziemlich gut abgesicherten Forschungsstand nicht NOTWENDIG anzunehmen, daß die Indoeuropäer Erwachsenen-Rohmilchverdauer waren. Sie konnten wie die genannten Kulturen Milchprodukte in Form von Jogurth, Käse, Buttermilch konsumieren. Aber das taten eben viele andere Kulturen zu ihrer Zeit auch schon.

    Sondern die genetische "Erfindung" der Erwachsenen-Rohmilchverdauung stammt, soweit ich sehe, von der Trichterbecherkultur, die sich ab 4.100 v. Ztr. rund um die Ostsee ausbreitete, die sich dann im Karpatenraum mit den Indoeruopäern berührte, aber erst 2000 Jahre später von diesen unterworfen wurde.

    Grob gesagt sehe ich noch keine Ernährungsbasis (nutritial basis) ausgerechnet für die Ausbreitung der Indoeuropäer. Denn so wie sie - von Käse, Buttermilch und Joghurt etc. - ernährten sich zu jener Zeit ALLE europäischen Völker südlich der Trichterbecherkultur, die von den Indoeuropäern unterworfen wurden.

    Wenn es jene neue "Ernährungsbasis" gab für die Ausbreitung von Kulturen, von der Harpending - wohl aufgrund eines etwas veralteten Kenntnisstandes - berichtet, dann war es die der Trichterbecherkultur. Und tatsächlich haben sich ja beispielsweise die Tocharer, die Harpending mit Recht hervorhebt, erst NACH der Vermischung von Trichterbecher und Indoeuropäern nach Osten hin ausgebreitet.

    Nichtarchäologen stellen sich die Vorgeschichte oft ein bischen zu simpel und unkompliziert vor. Um so simpel zu sein, dafür hat sie aber schlicht viel zu viele Jahrtausende gedauert. In der Zeit kann eben viel mehr und Komplexeres passieren, als ihre oft sehr simplen Modellen annehmen.

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    1. So weit ich das mitbekam geht Harpending davon aus, dass die erwachsenen Indoeuropäer Rohmilch verdauen konnten, was den Vorteil mit sich brachte, dass sie, im Vergleich zu jenen, die über jenes Können nicht verfügten, etwa das Doppelte an Energie aus der Milch "herausholen konnten".

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  2. Hierder Link zu "Nature":

    http://www.nature.com/news/archaeology-the-milk-revolution-1.13471?WT.ec_id=NATURE-20130801

    Und hier meine unmaßgeblichen Gedanken zu diesem Artikel:

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    Unser mittel- und nordeuropäischer Frühstückstisch ist - wie alle Kultur - an unsere mittel- und nordeuropäischen Gene angepaßt. - - - Ein neuer Überblicksartikel in "Nature" gibt einen Überblick über die neuesten Erkenntnisse zur Evolution unserer mittel- und nordeuropäischen Kultur. - - - Die ersten seßhaften Kulturen der Menschheitsgeschichte in der Südtürkei und im Levanteraum haben Wildgetreide geerntet und von Massenjagden auf Gazellen gelebt. Nachdem die Gazellen überjagt waren, wurden sie von Schafen und Ziegen ersetzt, die aber von Anfang an auch gemolken wurden, und deren Milch zu Käse und Jogurth verarbeitet wurde. So wie heute noch Schafsmilchkäse auf fast jeden türkischen Frühstückstisch gehört. So konnte die Milch von den damaligen (erwachsenen) Menschen (nur) verdaut werden. Und um dieses Zweckes willen haben die Kulturen des Mittelmeer-Raumes um 6.500 v. Ztr. auch mit der Rinderhaltung begonnen. - - - In dieser Form breitete sich die Milchviehhaltung und das milchverarbeitende Gewerbe aus einer Gründerpopulation vom Plattensee in Ungarn aus mit den Bandkeramikern über ganz Mitteleuropa aus (5.800 v. Ztr.). Und zwar "kulturell" nicht nur mit nahöstlichem domestiziertem Getreide, sondern auch mit nahöstlich domestizierten Hausrindern. Aber diese Kultur der Bandkeramiker ist 1.500 Jahre später untergegangen. - - - Und was ich auf meinem Blog immer schon gesagt habe, sagen jetzt auch die Forscher eindeutiger als früher: "Es könnte sein, daß der größte Teil der heutigen Europäer von den ersten Erwachsenen-Rohmilch-verdauenden Milchviehbauern in Europa abstammt." Also von der Trichterbecherkultur aus dem Ostseeraum, die um 4.100 v. Ztr. entstand, lange nach dem Untergang der Bandkeramiker. Auch hier scheint eine kleine Gründerpopulation die Ausbreitung der genetischen Fähigkeit, als Erwachsener Rohmilch verdauen zu können (nicht nur in verarbeiteter Form von Käse und Jogurth) ermöglicht zu haben. Zugleich mit der Fähigkeit zur Rohmilchverdauung hat sich wohl auch die blaue Augenfarbe (und die blonde Haarfarbe) ausgebreitet. Und auf unserem mitteleuropäischen Frühstückstisch steht ein Glas frischer Rohmilch.

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