Donnerstag, 28. Februar 2019

A little each day is enough ...

>If our professions do not allow us to devote more than two hours a day to a subject, do not abandon the work on the pretext that we need four or six. As Payot wisely noted, “A little each day is enough, as long as a little is produced each day.”<

Santiago Ramon y Cajal

Positive Affect:

Source: Comparing Happiness and Hypomania Risk - T. Kirkland, J. Gruber, W. A. Cunningham

"Positive affect has long been considered a hallmark of subjective happiness. Yet, high levels of positive affect have also been linked with hypomania risk: a set of cognitive, affective, and behavioral characteristics that constitute a dispositional risk for future episodes of hypomania and mania. At a personality level, two powerful predictors of affective experience are extraversion and neuroticism: extraversion has been linked to positive affect, and neuroticism to negative affect. As such, a single personality trait – extraversion – has been linked to both beneficial and harmful outcomes associated with positivity.

"Positive affect is a general dimension of mood reflecting the extent to which people feel subjectively pleasant while being engaged with their environment. High positive affect indicates more subjective pleasure and engagement; low positive affect indicates less subjective pleasure and disengagement. For example, Watson and colleagues suggest that “high positive affect is a state of high energy, full concentration, and pleasurable engagement, whereas low positive affect is characterized by sadness and lethargy”. The temporary experience of positive affect functions as a sign that things are going well, widening the array of thoughts and actions that come to mind and facilitating approach behavior."

"A wealth of empirical work over the last three decades has demonstrated that the frequent experience of positive affect is an important component of happiness. Happiness, also referred to as subjective well-being, is a disposition defined by global positive evaluations of one’s qualities and circumstances."

"recently, some research has suggested that positive affect may not always be beneficial. This work has demonstrated that “too much” positive affect–including situationally inappropriate affect–may be linked to substantial psychological and behavioral dysfunction, such as hypomania risk: a predisposition for episodes of hypomania and mania. Mania is a core feature of bipolar disorder, a severe and recurrent clinical disorder marked by heightened and persistent disruptions in positive affectivity. Episodes of mania are temporary and occur in a small population, yet personality variables can predict risk for future manic episodes. Hypomania risk is a subclinical analogue of mania and includes a constellation of affective, cognitive, and somatic features that are associated with increased risk for the onset of mania. ... As such, positive affect in mania and hypomania risk has been characterized as “too much of a good thing” in that it reflects intense positivity that is apparently insensitive to context. Taken together, this research suggests that positive affect may be a signal of dysfunction for some individuals."

"The most basic way we understand the world is in terms of positive and negative information–reward and threat. Differences in how we respond to reward and threat may originate from differences in our baseline sensitivity. Considerable evidence suggests that extraversion and neuroticism represent the primary personality manifestations of reward and threat sensitivity, respectively. Whereas extraversion refers to reward sensitivity and the general tendency to approach, explore, and engage with novelty, neuroticism refers to punishment sensitivity and the general tendency to regulate or restrain potentially disruptive emotions and behaviors"

"According to this revised structure, extraversion is composed of assertiveness and enthusiasm. Assertiveness reflects an orientation toward agency, drive, and social dominance (e.g., subjective potency for accomplishing goals), whereas enthusiasm denotes friendliness, sociability, and the tendency to experience positive affectThese personality aspects correspond to complementary, yet dissociable, functional strategies for interacting with positive information: motivated approach toward rewards, or “wanting,” versus enjoyment of rewards, or “liking”“Wanting” refers specifically to incentive salience, a type of motivation that promotes approach toward and consumption of rewards, and is distinguishable from more cognitive forms of desire that involve declarative goals or explicit expectations of future outcomes. By contrast, “liking” refers specifically to the positive hedonic impact of a reward, even in the absence of conscious awareness. Because these strategies are also rooted in separate neurochemical systems (dopamine vs. opioids), they may at times become decoupled."

[Also see: Escalation and Deescalation, Mania]

Mittwoch, 27. Februar 2019

Erlebnisunfähigkeit:

Ich las einmal in einem Buch, das vor einiger Zeit in den ewigen Jagdgründen meiner Bücherregale verschwand, dass bei manchen Personen für manche Erlebnisbereiche schlichtweg keine "Rezeptoren" vorhanden sind. D.h. manchen Personen sind manche Erlebnisse nicht zugänglich. (Vielleicht lässt sich sogar behaupten, dass für eine jede Person spezifisch eigene Erlebnisbereiche existieren, die ihr nicht zugänglich sind.) Ein hochgradig unmusikalischer Mensch wird z.B. kaum je vollen Zugang zu Beethovens Werken haben. Auch wenn er sich drei Monate lang tagtäglich dreieinhalb Stunden mit diesen Werken berieselt. Es finden sich da schlichtweg keine "Rezeptoren" für das musikalische Erleben, kein voller Zugang zum Erleben. Es gehört mit zu den verblüffendsten Ereignissen, wenn man an einem Mitmenschen in einer gegebenen Situation eine völlig andere Reaktion beobachtet als man sich erwarten würde, nämlich einfach keine Reaktion, die Abwesenheit einer Reaktion, das völlige Abhandensein jeglicher Rezeptivität für ein bestimmtes Erlebnis.

[Siehe auch: William James on Attention]

Erläuterungen zum Vogelgesang:

Ernst Paul Dörfler, Nestwärme:

"Vogelmännchen sind ... oft tolle Sänger. Weibchen in jedem Fall tolle Zuhörerinnen. Wenn ein Vogelmännchen erstklassig singt, löst das beim Weibchen Glücksgefühle aus. Das mag vermenschlichend klingen, ist es aber nicht. Die substanzielle Basis dieser Gefühlsregungen ist analytisch nachweisbar."

"Intensiver, leidenschaftlicher Gesang geht nicht nur unter die Haut, er liefert auch Information über die inneren Werte. Dafür interessieren sich ganz besonders die Weibchen, um die Männchen in ihrer Vitalität einschätzen zu können. Welche Gesangskriterien sind für Vogelweibchen wichtig? In erster Linie ist die Lautstärke des Männchens entscheidend ... Nicht alle Vögel ein und derselben Art singen gleich laut. Es gibt laute und leise Sänger. ... Wenn Weibchen laute Sänger gegenüber leisen Flüsterern bevorzugen, dann entscheiden sie sich für ein Männchen in guter Kondition. Der Aufbau einer guten körperlichen Verfassung ist also der Preis, den man für das laute Singen zu entrichten hat. Wer laut trällert, hat die besseren Chancen - aber auch höhere Risiken. Wer sich mit lautem Gesang hervortut, muss mit aggressiven Reaktionen anderer Männchen rechnen. Wer also nicht die Kraft aufbringt, sich mit seinen Artgenossen anzulegen, hält lieber den Schnabel oder äußert sich bestenfalls leise."

"Lautstärke ist wichtig, aber sie ist nicht alles. Es geht den Weibchen auch um Vielfalt und Virtuosität. Innerhalb einzelner Arten ist der Gesang von Vogel zu Vogel individuell verschieden. Jedes Männchen hat seinen eigenen Liedschatz, selbst wenn wir mit unserem vergleichsweise schwach entwickeltem Gehör die Unterschiede von Sänger zu Sänger oft nicht wahrnehmen. Manche Vögel trällern schneller, höher und länger als andere. Die Weibchen achten vor allem auf schnelle Silben im hohen Frequenzbereich, die schwierig zu singen sind, quasi auf Männchen-Sopranstimmen, auch als >Sexy-Silben< bezeichnet. Manche Männchen treffen diese verführerische Noten, andere nicht. Musikalische Vielfalt ist ebenso ein ehrliches Qualitätskriterium des Sängers wie die Lautstärke."

"Weibchen werden durch besonders lauten und vielseitigen Gesang nicht nur angelockt, sondern auch sexuell stimuliert. Somit ist der Gesang auch ein Ergebnis der sexuellen Auslese. Die herausragendsten Sänger haben die besten Chancen auf Verpaarung. Und warum sind die Weibchen im Gesang so wenig talentiert? Man könnte meinen, dass Weibchen diese Selbstinszenierung nicht nötig haben. Aber es gibt noch andere Erklärungen. Die Ursachen der Geschlechtsunterschiede liegen im Gehirn. Gesang und Sex werden durch die Hirnstruktur gesteuert. Im Gesangzentrum der Singvögel liegen die Schaltstellen für das Lernen und Produzieren von Gesang. Hier befinden sich die Nervenzellen mit den Rezeptoren, an denen Sexualhormone andocken können. Auf dem Pfad steuern die Wirkstoffe das Gesangsystem. Experimentell wurden frisch geschlüpfte weibliche Zebrafinken mit dem männlichen Hormon Testosteron behandelt. In Folge begann sich das Gesangsystem zu entwickeln. Auch erwachsene Kanarienvogelweibchen lassen sich durch Testosterongaben vorübergehend zum Singen bringen. Diese Weibchengesänge ähneln denen der Männchen, es sind die sexuelle attraktiven Gesangsmuster. Die Fähigkeit der Vögel zum Gesang hat also Wurzeln im männlichen Sexualhormon."

Der Spielmodus:

Letztlich ein >Probiermodus<. Insbesondere verspieltes Spielen lässt sich als ein Probieren und Austesten verstehen. Reales Austesten und Ausprobieren kann mit Kosten einhergehen, die im beidseitig verspielten Umgang zweier (oder auch mehrerer) Partner umgangen werden können. Auch bietet sich dem Menschen durch sein episodisches Vorstellungsvermögen die Möglichkeit, risikofrei Szenarien im eigenen Kopf, d.h. innerlich, auszutesten und auszuprobieren.

Dienstag, 26. Februar 2019

Neugierde und Wissenschaft (II):

"Wissenschafter sind ja nicht neugieriger als andere. Sie sind eher weniger neugierig als andere. Sie verhaken sich nur mit irgendeinem Problem, das sie dann nicht mehr loslässt. Eines der wesentlichen Merkmale des Wissenschaftlers ist ja, dass er seine Neugier außerordentlich beschränken muss. Wenn er zu neugierig ist, dann macht er jeden Tag wieder etwas anderes. Und dann kommt nichts heraus. Ich würde sagen der Wissenschaftler ist nicht charakterisiert durch mehr Neugier, sondern durch weniger Neugier als andere Menschen. Oder eine diszipliniertere. Oder eine... vielleicht auch nicht  disziplinierte, sondern mehr neurotisch konzentrierte Neugier."

Max Delbrück

[Siehe auch: Foxes and Hedgehogs - Auch unter Wissenschaftern finden sich neugierige und weniger neugierige Varianten. Delbrück betont die Bedeutung der Beharrlichkeit in der Auseinandersetzung mit Problemen.]

"Romantische Wissenschaft":

Romantische Wissenschaft, Alexander R. Lurija:

"Natürlich haben die romantischen Wissenschaftler und die romantische Wissenschaft Mängel. Romantische Wissenschaft vernachlässigt die Logik; sorgfältige, Schritt für Schritt aufgebaute Argumentation ist nicht ihre Sache, und nur mit Mühe kommt sie zu festen Formulierungen und universellen Gesetzen. Zuweilen nehmen in ihrer Arbeit künstlerische Neigungen und Intuitionen überhand. Ihre Beschreibungen gehen oft nicht nur ihren Erklärungen voran, sondern treten manchmal auch an deren Stelle."

[Siehe auch: Two kinds of science]