Und dann gibt es Stunden, in denen sie wacher werden.
Eigentlich geht es ja gar nicht um den Trott,
sondern um die gesteigerte Wachheit und Aufmerksamkeit
für Dasjenige, auf das es ankommt.
Was kann den Menschen denn überhaupt aufrütteln
aus seinem gewohnten Halbschlaf?
Sie kommen selten auf Einladung. Eher durch Unterbrechungen — durch Unterbrechungen des Rhythmus, der Erwartungen, der Selbstvergessenheit.
Schwelle und Übergang. Ankünfte und Abschiede erzeugen Präsenz. Der erste Moment in einer fremden Stadt, der letzte Blick in eine Wohnung, die man verlässt.
Schmerz und Verlust. Der erste Einschlag einer Trauernachricht ist radikal gegenwärtig. Das Bewusstsein wird gleichsam zusammengezogen, auf einen Punkt fokussiert. Unangenehm, aber unbestreitbar wach.
Schönheit, die überrascht. Nicht die erwartete Schönheit — das gebuchte Konzert, der geplante Sonnenuntergang. Sondern die ungebetene: Licht in einem Treppenhaus, eine Melodie aus einem offenen Fenster, ein Gesicht in der U-Bahn. Das Unerwartete öffnet einen Spalt, durch den Aufmerksamkeit fließt.
Gefahr und Risiko. Klettern, Bouldern, schnelles Fahren — Situationen, in denen ein Fehler Konsequenzen hat. Das Nervensystem schaltet um. Denken wird konkret, sinnlich, körperlich. Viele Menschen suchen genau das, ohne es so zu benennen.
Tiefes Gespräch. Wenn ein Gespräch plötzlich ehrlich wird — wenn jemand etwas sagt, das nicht vorbereitet war — entsteht eine eigentümliche Tiefe dahinter. Man hört anders zu. Man antwortet anders.
Flow. Der Sonderfall: erhöhte Präsenz ohne Anspannung. Sie entsteht, wenn Anforderung und Können exakt übereinstimmen — in der Arbeit, im Sport, im Schreiben. Die Selbstwahrnehmung tritt zurück, die Tätigkeit erhält Tiefgang.)
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