Da man sich, in diesen Zeiten, von Grund her ganz neue Aufschlüsse über Welt und Wirklichkeit erringen kann.
(Nicht jeder erlebt Umbruch als Möglichkeit. Viele erleben ihn als Bedrohung, als Verlust von Orientierung.
Seit der Antike gilt die Krise — krisis im Griechischen bedeutet ursprünglich Entscheidung, Wendepunkt — nicht nur als Bedrohung, sondern als kognitiver Ausnahmezustand. Wenn bestehende Ordnungen brüchig werden, verlieren gewohnte Denkmuster ihre Selbstverständlichkeit. Genau diese Erschütterung des Selbstverständlichen ist es, die tieferes Nachdenken erst erzwingt.
Die epistemische Dimension
Der Aphorismus betont nicht die Dramatik des Umbruchs, sondern seine Ermöglichungsstruktur: Weil gewohnte Rahmungen wegfallen, öffnet sich Raum für Grundsatzfragen. Das ist der Unterschied zwischen bloßem Wandel und echter Erneuerung des Verstehens. Thomas Kuhn beschrieb ähnliches für die Wissenschaft — paradigmatische Revolutionen entstehen nicht aus Akkumulation, sondern aus dem Zusammenbruch alter Gewissheiten.)
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