Montag, 20. April 2026

Verliebtheit:

Das ist, genau in eine Person verschossen zu sein (warum auch immer).

(Warum auch immer ist das Ehrlichste, was man über Verliebtheit sagen kann. Es räumt ein, dass die Vernunft hier nicht zuständig ist, ohne das dramatisch zu machen.

Das Wort verschossen trägt mehr als es zunächst scheint. Es hat Richtung — einen Pfeil, ein Ziel, eine Einseitigkeit. Man ist nicht in etwas verschossen wie in einen Zustand, sondern in eine Person — das ist präzise. Verliebtheit ist immer Objekt-gebunden, immer konkret, immer diese eine und keine andere. Das unterscheidet sie vom Sehnen, das auf Fernes weist, ohne es benennen zu müssen. Verliebtheit ist das Sehnen, das eine Adresse gefunden hat.

Und das genau — das ist das heimliche Zentrum der Zeile. Genau in eine Person. Nicht ungefähr, nicht in eine Kategorie, nicht in ein Ideal. Die Verliebtheit ist erschreckend spezifisch. Das ist philosophisch interessant: Wir könnten uns fragen, ob wir uns in die Person verlieben oder in unsere Projektion — aber das genau besteht darauf, dass es die Person selbst ist. Es lässt die philosophische Ausflucht nicht zu.)

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