Samstag, 18. April 2026

Die Geschlossene, aber doch Offene Welt:

Ein Mensch steckt da irgendwie in seiner Welt drinnen und kommt da zuweilen nicht so leicht heraus. Beziehung ist das Bemühen, aus zwei Welten eine gemeinsame Welt herauszuschälen.

(Jeder Mensch bewohnt eine Welt, die er größtenteils selbst gebaut hat — aus Erinnerungen, Bewertungen, Erwartungen, Empfindlichkeiten. Diese Welt ist nicht willkürlich; sie ist die sedimentierte Geschichte eines Lebens. Eben darum ist sie so schwer zu verlassen.

Die gemeinsame Welt ist kein bloßer Kompromiss, keine bloße Mitte zweier Positionen. Sie ist ein Drittes, das keiner der Beteiligten allein hätte hervorbringen können.

Beziehung ist keine Auflösung des Selbst, aber auch kein bloßes Nebeneinander zweier geschlossener Welten. Sie ist ein fortlaufender, nie ganz abgeschlossener Prozess — ein gegenseitiges Ertasten der Grenzen, ein vorsichtiges Hineinlassen. Wer nicht bereit ist, die eigene Welt zumindest an ihren Rändern zu lockern, wird niemals wirklich begegnen. Wer sie vollständig aufgibt, begegnet ebenfalls niemandem mehr — denn es ist niemand mehr da, der begegnet.)

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