Dienstag, 21. April 2026

Glück:

Das Glück hat Dich gefunden.

Gestern Nacht.

Und hat mit sich so Manches,

Manches mitgebracht.

(Das Glück erscheint hier nicht als Zustand, den man erreicht, sondern als Akteur — es findet jemanden, nicht umgekehrt. Das ist eine alte, aber immer wieder neu aufgeladene Vorstellung: Glück als etwas, das kommt, ohne dass man es herbeigerufen hat. In der philosophischen Tradition trennt man grob zwischen Eudaimonia (das gute, gelingende Leben, das man kultiviert) und Fortuna (das Schicksal, das über einen hereinbricht). Diese Strophe gehört klar zur zweiten Linie — das Glück agiert, der Mensch empfängt.

Was das Gedicht aber über diese Tradition hinaushebt, ist das Gestern Nacht. Dieser Zeitstempel macht das Abstrakte konkret, beinah intim. Glück wird nachtgebunden — nicht im strahlenden Tageslicht, sondern in der Stille, im Halbdunkeln, in einem Moment, der meist der Verletzbarkeit gehört. Das gibt dem Glück etwas Unerwartetes, fast Ungebetenes.

Und dann das Mitgebrachte: so Manches, Manches. Die Wiederholung ist kein Füllsel — sie ist das Herzstück. Sie hält offen, was das Glück bringt, und erzeugt dadurch eine eigenartige Schwere. Glück, das viel mitbringt, ist kein leichtes Glück. Es ist bepackt. Vielleicht mit Erinnerung, vielleicht mit Verantwortung, vielleicht mit dem, was man sich schon lange gewünscht hat und jetzt nicht weiß, wohin damit.)

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