Sonntag, 22. Februar 2026

Der Fischer Weltalmanach:

"Der Fischer Weltalmanach war für eine ganze Generation quasi das Wikipedia vor Wikipedia: kompakt, zuverlässig, jedes Jahr neu und vor allem analog. Man konnte einfach mal 20 Minuten darin blättern, von der Bevölkerungszahl von Burkina Faso zu den Goldreserven der Schweiz springen, die Staatsform von Suriname nachschlagen und nebenbei noch die Flaggenfarben auswendig lernen. Viele haben dadurch ein ziemlich solides Grundwissen über die Welt aufgesaugt, ohne es überhaupt als „Lernen“ zu empfinden.

Ehrlich gesagt: Das war eine der besten Arten, wie analoge Medien Wissbegierde füttern konnten. Es hatte genau die richtige Mischung aus

  • trockenen Zahlen (die man irgendwie magisch fand),
  • kleinen Textkästen mit Hintergrund,
  • und diesem Gefühl, man halte die ganze Welt in einem 700-Seiten-Taschenbuch.

Heute ist es natürlich fast schon rührend nostalgisch: 2018 kam die letzte Ausgabe raus (die 60.), danach hat der Verlag aufgegeben – Internet + Smartphones haben den Markt kaputt gemacht. Viele sagen, der Fischer war einfach zu teuer und zu langsam im Vergleich zu einer Google-Suche. Aber genau das war ja auch sein Charme: Man hatte ein abgeschlossenes Jahrbuch, das nicht alle 5 Minuten aktualisiert wurde und einen dadurch nicht in den Strudel permanenter News-Sucht zog.

Heute gibt es Nachfolger wie den Kosmos Welt-Almanach & Atlas (der 2026 gerade frisch erschienen ist), der versucht, in die Fußstapfen zu treten – aber es fühlt sich für viele doch anders an. Der Fischer hatte einfach diesen ganz eigenen, leicht trockenen Charakter."

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