Donnerstag, 5. Februar 2026

Anspannung bei Gesprächen:

 "Viele Menschen spüren in Gesprächen eine innere Anspannung.

Hier sind die häufigsten Gründe:

1) Kognitive Dissonanz

Wenn jemand etwas sagt, das nicht zu deinen Überzeugungen, Erwartungen oder Selbstbildern passt, entsteht innerer Druck. Das Gehirn mag Konsistenz. Widerspruch bedeutet:

- Entweder muss ich meine Meinung ändern
- oder die andere Information abwehren

Typische Beispiele:

- Jemand kritisiert etwas, das du für richtig hältst.
- Jemand beschreibt dich anders, als du dich selbst siehst.
- Deine Werte kollidieren mit der Situation.

2) Erwartete Unlust oder soziale Gefahr

Gespräche sind nie nur Informationsaustausch. Sie sind auch:

- Bewertungssituationen

- Statusverhandlungen

- potenzielle Konfliktsituationen

Das Gehirn prüft ständig:

- Werde ich kritisiert?

- Muss ich mich rechtfertigen?

- Entsteht ein Konflikt?

- Wirke ich kompetent?

Wenn die Antwort unsicher ist, aktiviert das Nervensystem eine leichte Stressreaktion. Das passiert oft automatisch.

3) Soziale Selbstbeobachtung

Viele Menschen sind während Gesprächen nicht nur im Gespräch, sondern gleichzeitig im Kopf:

- „Wie wirke ich gerade?“

- „Sage ich etwas Dummes?“

- „Hätte ich das anders formulieren sollen?“

Das erzeugt eine Art mentale Doppelbelastung:

- Gespräch führen

- sich selbst überwachen

Das kostet Energie und wird als Anspannung erlebt.

4) Unklare Erwartungen oder fehlende Kontrolle


Das Gehirn mag Vorhersagbarkeit.

Wenn du nicht weißt:

- wohin das Gespräch geht

- was die andere Person will

- wie du reagieren sollst

entsteht ein unterschwelliger Alarmzustand.

Das ist besonders stark bei:

- Autoritätspersonen

- neuen Menschen

- unklaren Situationen

- emotionalen Themen

5) Alte Lernerfahrungen


Oft stammt Gesprächsanspannung nicht aus dem aktuellen Gespräch, sondern aus früheren Erfahrungen:

Wenn man gelernt hat:

- Gespräche führen zu Kritik

- eigene Meinung führt zu Konflikt

- man wird nicht verstanden

- man muss sich beweisen

dann reagiert das Nervensystem schon im Vorfeld angespannt.

Das ist kein bewusste Entscheidung, sondern ein automatisches Muster.

Wenn die Anspannung vor allem auftritt bei…

- Kritik oder Meinungsunterschieden → eher kognitive Dissonanz

- Autoritäten oder neuen Leuten → eher soziale Bewertung

- emotionalen Themen → eher alte Lernerfahrungen

- unklaren Situationen → eher Kontrollverlust

Oft ist es eine Mischung aus zwei oder drei Faktoren."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen